"Man braucht Leidenschaft - und dazu gehört bei mir das Träumen"


Willkommen zurück in Frankfurt, Herr Veh! Wie kam es zu dieser Rückkehr?

 

Ich habe ja nie den Kontakt zu Frankfurt abbrechen lassen. Mit Sportdirektor Bruno Hübner verbindet mich eine Freundschaft, wir haben uns regelmäßig ausgetauscht. Auch die anderen handelnden Personen wie Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen, Finanzvorstand Axel Hellmann, Eintracht-Präsident Peter Fischer oder den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Steubing kenne ich gut. Dazu habe ich einen Teil des Kaders selbst nach Frankfurt geholt und geformt. Insofern war es vielleicht für mich ein Stück leichter, Ja zu sagen, als bei einem anderen Verein.

 

Was war ausschlaggebend für Sie, es noch einmal mit der Eintracht zu versuchen?

 

Es war auf jeden Fall eine rationale und nicht emotionale Entscheidung. Dadurch, dass ich fünf Monate Pause gemacht habe, sind meine Akkus wieder aufgeladen und ich konnte ausführlich darüber nachdenken. Die drei Jahre Eintracht mit Aufstieg und Europa League haben damals viel Energie gekostet, und es war schwer eine Saison mit diesen Emotionen noch zu toppen. Mir hat die notwendige Frische gefehlt, um Dinge weiter voranzutreiben. Jetzt ist es anders, ich bin voller Tatendrang und versuche alles, um die Eintracht in eine gute Zukunft zu führen.

 

Sie haben immer betont, dass Frankfurt für Sie ein besonderer Verein ist. Was macht die Eintracht für Sie so individuell?

 

Die Menschen, die Stadt und natürlich die Fans. Ich habe mich in den drei Jahren sehr wohl hier gefühlt. Auch meine Frau hat heute noch viele Bekannte hier in Frankfurt, denen sie regelmäßig schreibt und mit denen sie Fotos austauscht, vor allem von Hunden.

 

Als Sie die Eintracht 2014 verlassen haben, sprachen Sie von „mangelnden Perspektiven“. Haben Sie keine Angst, sich mit einer Rückkehr unglaubwürdig zu machen?

 

Nein, aber ich kann die Leute verstehen, die nun gegen mich Vorbehalte haben. Aber da ist auch viel in den sozialen Netzen geschrieben worden. Die Menschen, denen ich jetzt in der Stadt begegnet bin, haben meine Rückkehr positiv aufgenommen. Sie haben sich gefreut. Aber das ist doch ganz normal, dass sich nicht alle freuen, wenn man wiederkehrt. Ich werde natürlich versuchen, das Vertrauen von denen zurückzugewinnen, bei denen ich es verloren habe. Das geht aber nur durch Arbeit und nicht durch Worte.

 

Hat sich inzwischen etwas an den Perspektiven der Eintracht geändert oder an Ihren Ansprüchen?

 

Ich sehe hier schon eine andere Perspektive. Wir haben jetzt einen größeren finanziellen Spielraum. Ich glaube schon, dass wir auf ca. 36 Millionen Euro kommen werden. Das sind rund 20 Prozent mehr als wir vor zwei Jahren zur Verfügung hatten. Mit sechs Millionen Euro mehr damals hätten wir die Möglichkeit gehabt, Jung, Rode und vielleicht Schwegler halten zu können.

 

Wie sehen sie denn aus, die Perspektiven der Eintracht für die Saison 2015/16?

 

Wir müssen in erster Linie schauen, dass wir Spieler dazu gewinnen. Und ich muss mir einen Überblick über den Kader verschaffen. Manche Spieler, wie Ignjovski und Medojevic kenne ich nicht von der täglichen Arbeit. Mit Sportdirektor Bruno Hübner bin ich schon die Planung durchgegangen. Wir müssen sehen, das wir Stabilität ins Team bekommen und auf Dauer auch ein paar jüngere Spieler. Meine Vorstellung vom Fußball ist immer offensiv geprägt. Allerdings kann ich mich nicht immer daran halten. Es gibt Situation, da muss man auch defensiv denken. Ich kann nicht immer meinen Kopf durchsetzen und manchmal muss man variieren, wenn es die Notwendigkeit erfordert.

 

Würden Sie sich selbst als gescheitert bezeichnen? Gescheitert in Stuttgart, gescheitert an den eigenen Ansprüchen?

 

Ich habe damals nicht lange nachgedacht, das Engagement bei Stuttgart war für mich eine Herzensangelegenheit. Aber ich habe bald gemerkt, das mir die nötige Frische fehlt, dass die drei Jahre in Frankfurt viel Kraft gekostet haben. Darüber hinaus waren die Strukturen beim VfB nicht mehr jene, die ich aus meinem Meisterjahr kannte. Ich habe dann nach vier Monaten eingesehen, dass ich der Mannschaft in der damaligen Situation nicht mehr entscheidend helfen konnte. Insofern war mein Rücktritt nur konsequent und ich habe dadurch dem Verein viel Geld gespart.

 

Wie sah Ihr Leben nach Ihrem Abschied vom VfB im November aus?

 

Ich habe meine Akkus aufgeladen, habe viel Sport getrieben und bin natürlich viel mit meinem Hund Jerry unterwegs gewesen. Aber ich habe nie den Kontakt zur Bundesliga verloren. Ich habe mir Spiele angeschaut und habe natürlich auch mit Spielern, Trainern und Managern telefoniert. Insofern bin ich immer auf dem aktuellsten Stand gewesen.

 

Sie haben eines Ihrer Prinzipien gebrochen und statt eines Ein-Jahres-Vertrags für zwei Jahre in Frankfurt unterschrieben? Wieso?

 

Bei einem Ein-Jahres-Vertrag wären nach der Hinrunde im Winter wieder die Diskussionen aufgekommen: Verlängert er oder nicht? Ich möchte Stabilität und Kontinuität in das Team bringen, und deshalb habe ich mein Engagement hier bei der Eintracht auf zwei Jahre ausgedehnt.

 

Kürzlich haben Sie erklärt, eine Bruchhagen-Nachfolge als Vorstandschef käme für Sie derzeit nicht in Frage. Wäre der Job denn prinzipiell irgendwann etwas für Sie?

 

Im Fußball ist vieles möglich. Was in drei, vier Jahren ist, kann man im Bundesliga-Geschäft nicht vorhersagen. Der Posten des Vorstandsvorsitzenden wäre für mich ein totaler Einschnitt, dann wäre meine Trainerkarriere beendet. So weit bin ich aber noch nicht. Ich lebe von Emotionen, auch wenn ich oft genug ruhig wirke, und ich stehe lieber auf dem Trainingsplatz.

 

Sie sagten, Sie hätten die Spiele der Eintracht in der vergangenen Saison verfolgt. Was hat Ihnen gefallen, was wird sich unter Ihnen ändern?

 

Die Eintracht hat eine ordentliche Saison mit 43 Punkten gespielt. Sie hat eine starke Offensive gehabt, aber zu viele Gegentore hinnehmen müssen. Was sich alles ändert, kann ich erst nach den ersten Trainingseindrücken sagen. Am besten erkennst du im Training, zu was die Spieler fähig sind. Insofern werde ich mich nicht schon jetzt auf ein System festlegen.Trauen Sie sich den erneuten Einzug in die Europa-League zu?Einen Traum soll man schon haben. Ich möchte schon ein bisschen was erreichen und vielleicht auch überraschen. Und ich möchte nicht nur mit Routine an die Arbeit gehen. Bei meinem Job will ich mich schon auf etwas freuen, ohne den Realitätssinn zu verlieren. Man braucht Leidenschaft - und dazu gehört bei mir das Träumen.

 

Welchen Empfang erwarten Sie von den Eintracht-Fans, die Ihr letzter Abgang etwas gekränkt hat?

 

Ich werde versuchen, die Fans mit erfolgreicher Arbeit zu überzeugen. Das ist die beste Antwort auf Vorbehalte.

 

DIVA vom MAIN / Ausgabe 03:2015

Susanne Müller - freischrift/fotografie - Hochzeitsfotografie in Neu-Isenburg

Hallo, ich bin Susanne, seit 33 Jahren eine lebensfrohe Optimistin, spontan, oft ein wenig zu genau

und schwer verliebt in meinen Job als Fotografin, Journalistin und Texterin in der Nähe von Frankfurt am Main. Ich liebe Kaffee und meinen Hund Sammy, den Duft von frisch gemähtem Gras, schöne Cafés und sonnige Biergärten. Ich reise gerne und viel, mal kurz, mal lang, mal tageweise. Und ich kann mich sehr für Philosophie, Weiterbildung, Fitness und Rockmusik begeistern...

 

Nach meinem Abitur 2003 habe ich mein Magisterstudium (Germanistik/Anglistik) in Heidelberg und Frankfurt absolviert, im Anschluss daran ein Fernstudium an der "Freien Journalistenschule" in Berlin. Seit 2011 arbeite ich als selbstständige Journalistin und Texterin, seit 2013 auch
als Fotografin in den Bereichen Businessfotografie, Hochzeit und Portrait.