Strapaziöses Abenteuer auf der Seidenstraße


Seit Ende Juli ist Jan Rösel (39) schon wieder im heimischen Odenwald in seiner Praxis für Physiotherapie. Die Erlebnisse der „Silk Way Rallye“ haben ihn dennoch bis heute nicht losgelassen.

 

REICHELSHEIM. „Es war wirklich viel, viel heftiger als die Dakar“, zieht Rösel einen Vergleich zum ersten Abenteuer im Januar, als er mit dem hessischen X-raid-Team bereits an der Rallye Dakar teilnahm. Nur fünf Monate später meldete sich X-raid erneut: Der „Silk Way“ stand auf dem Plan – vom 8. bis 24. Juli auf der antiken Seidenstraßen von Moskau über 10735 Kilometer durch Kasachstan nach Peking, die zweitgrößte Rallye der Welt. „Es war eine komplett neue Herausforderung für das ganze Team, weil keiner wusste, was auf uns zukommt“, erinnert sich Rösel.

 

Beim Start direkt am Kreml in Moskau war man trotz Regens noch bester Dinge. Auch die Landschaft trug für den Reichelsheimer anfangs dazu bei: „Das war mit eine der schönsten, die ich bislang gesehen habe. Diese Wildnis bekommt man hier in Europa ja kaum noch zu sehen.“ Je weiter die Reise aber ging, desto schneller wurde klar, dass die Fahrzeuge, gerade der Küchentruck, nicht für die nächsten zwei Wochen ausgelegt waren. 800 bis 900 Kilometer betrugen die einzelnen Tagesetappen, die aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse aber nur mit 60 - 80 km/h bewältigt werden konnten. Das bedeutete für Rösel und seine Mitstreiter 12 bis 13 Stunden im Auto. Die Ankunft erfolgte oft erst um vier, fünf Uhr Nachmittags. Und dann ging es erst richtig los: Neben der medizinischen Betreuung warteten auf Rösel am Zielort noch etliche andere Aufagben. Zumal das Team unterbesetzt war. Wäsche waschen, zum Trocknen aufhängen, Getränkesysteme ausspülen, nachfüllen und die Fahrzeuge mit Nahrung und Medikamenten ausstatten. Das größte Problem: Rösel war nicht bei den Fahrern untergebracht, die er physiotherapeutisch betreuen sollte, sondern im Biwak, dem Teamcamp – oftmals bis zu 30 Kilometer Fahrt quer durch die Stadt vom Fahrerhotel entfernt. Und das kostete Zeit. Wertvolle Zeit. „Das war natürlich eine Fehlplanung“, stellt Rösel klar. Bei der Dakar kamen die Fahrer noch einfach ins Behandlungszelt.

 

In Moskau ging es noch, in China entwickelte sich die Distanz zum Problem. „Man konnte sich ja nicht verständigen. Da kann ja keiner Englisch“, erinnert sich Rösel. So gab es nur eine Lösung: Rösel musste mit all seinen Utensilien wie Massagebank und Koffer ins Taxi steigen, oft mit der Adresse des Hotels in chinesicher Schrift auf einem Zettel, im Hotel bis zu zehn Zimmer der Faher ablaufen, behandeln und wieder zurück. Im Biwak auf eine Behandlung warten, konnten die Fahrer nur selten - die Fahrpläne für den nächsten Tag mussten ja auch noch in mühevoller Kleinarbeit ausgearbeitet werden. So war Rösel meist erst um zwölf Uhr in der Nacht fertig, um drei oder vier ging die Tour zur nächsten Station aber schon weiter. „Ich habe dann zwei Stunden im Zelt geschlafen und ansonsten im Auto. Igrendwann ist alles egal, dann schläfst du auch im Auto.“ Am dritten Tag ging auch noch der Transportbus kaputt, in dem acht Leute untergebracht waren. An diesem Tag flog das Team zur nächsten Etappe über die chinesische Grenze, ehe schließlich ein chinesicher Fahrer mit seinem kleinen Mietwagen für sie abgestellt wurde.

 

Nach der anfänglichen Begeisterung über die Landschaft kam ein zweites Problem dazu: Die Wüste Gobi. Rund eine Woche über 6000 Kilometer 12 bis 13 Stunden am Tag auf engstem Raum, über Schotter und Gestein, oft schlafend, in wachen Momenten ob der sich nicht ändernden Landschaft vor dem Fenster oft resignierend – da schwindet die Begeisterung für den kraftraubenden Job doch schnell. „Man hatte den Eindruck, dass man gar nicht fährt. Das war eine dreckige Wüste mit Schotter, vielen Windrädern und extremer Hitze. Da wird man verrückt. Vom Reiseaspekt her war das schon enttäuschend“, sagt Rösel. Erst zwei Tage vor Peking begann die Landschaft wieder grüner zu werden. Dann griffen auch noch Magen-Darm-Probleme um sich und schließlich gab zur Halbzeit auch der Küchentruck seinen Dienst auf, die Kühlung versagte – der Treibstofftank hatte durch die Schläge des Schotterbodens einen Riss bekommen und war ausgelaufen. Schon vorher waren die Lebensmittel durch die Schlaglöcher aus den Regalen gefallen. Natürlich kosteten solche Pannen auch immer zusätzliche wertvolle Zeit – von der schlechten Stimmung, die sie ins Team brachten, mal abgesehen.

 

Aus sportlicher Sicht verlief das Rennen gut, alle X-raid-Fahrer - für die die gezeiteten Etappen quasi parallel auf einer Offroad-Strecke verliefen - landeten unter den ersten zehn. Yazeed Al-Rajhi und sein deutscher Co-Pilot Timo Gottschalk sicherten sich zweiten Platz hinter Cyril Despres im Peugeot. Auch an der Organisation gab es nichts auszusetzen. „Es war alles wesentlich kleiner als bei der Dakar, dadurch auch familiärer. Da hat alles super gut geklappt fürs erste Mal“, lobt Rösel. Nur Zuschauer ließen sich beim Zieleinlauf wie auch auf den Etappen eher selten blicken. „Im Olympischen Park in Peking waren ein Haufen Ränge aufgebaut, aber keiner drauf. Da waren wir schon ein bisschen enttäuscht“, gibt Rösel zu. Nach drei privaten Tagen in Peking ging es für ihn zurück in die Heimat und direkt wieder in die Praxis. Ralleys will der Reichelsheimer in nächster Zeit keine mehr betreuen: „Der Stress war so hoch, dass ich gesagt habe, das war das letzte Mal.“ Als Physiotherapeut des deutschen Bob-Skeleton-Teams für die nächsten Olympischen Spiele im Februar 2017 ist er allerdinsg schon wieder gebucht.

 

Odenwälder Echo / 07. Oktober 2016

Susanne Müller - freischrift/fotografie - Hochzeitsfotografie in Neu-Isenburg

Hallo, ich bin Susanne, seit 33 Jahren eine lebensfrohe Optimistin, spontan, oft ein wenig zu genau

und schwer verliebt in meinen Job als Fotografin, Journalistin und Texterin in der Nähe von Frankfurt am Main. Ich liebe Kaffee und meinen Hund Sammy, den Duft von frisch gemähtem Gras, schöne Cafés und sonnige Biergärten. Ich reise gerne und viel, mal kurz, mal lang, mal tageweise. Und ich kann mich sehr für Philosophie, Weiterbildung, Fitness und Rockmusik begeistern...

 

Nach meinem Abitur 2003 habe ich mein Magisterstudium (Germanistik/Anglistik) in Heidelberg und Frankfurt absolviert, im Anschluss daran ein Fernstudium an der "Freien Journalistenschule" in Berlin. Seit 2011 arbeite ich als selbstständige Journalistin und Texterin, seit 2013 auch
als Fotografin in den Bereichen Businessfotografie, Hochzeit und Portrait.

 

Susanne Müller
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