Zwei stressige Wochen, eine gewaltige Erfahrung


Zwei Wochen verbrachte Jan Rösel (39) als Physiotherapeut des hessischen X-raid-Teams Anfang Januar bei der Rallye Dakar in Argentinien und Bolivien. Am Ende stand zwar nur der zweite Platz für die Hessen, aber auch jede Menge neue Eindrücke und Erfahrungen für den Odenwälder.

 

REICHELSHEIM. Der Start in die Rallye Dakar war bescheiden für das hessische X-raid-Team: Als die Chinesin Guo Meiling nach einem Fahrfehler beim Prolog mit ihrem Mini in die Zuschauermenge raste, sei das für das gesamte Team erst einmal „ein Schock gewesen“ berichtet Jan Rösel: „Das war natürlich ein gefundenes Fressen für die Presse.“ Für Meiling war das Rennen zu Ende, das Auto zerstört, die Fahrerin unter Schock.

 

Das Team zog weiter – und sah sich schon am zweiten Tag dem nächsten Problem gegenüber: Das Wetter. Monsunartige Regenfälle setzten die Straßen unter Wasser und verhinderten, dass Rettungshubschrauber den Rennverlauf überwachen konnten. So fiel die erste Etappe im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. „Ich hatte noch nie so eine Gänsehaut, habe noch nie so ein Wetter gesehen. Die erste Woche war echt eine Katastrophe“, erinnert sich Rösel, dessen Wohnmobil es auf einer Fahrt zur nächsten Etappe mal fast von der Straße gespült hätte. Straßen und Brücken hatten bei den Wassermassen teilweise weniger Glück. Auch das Übernachten im Zelt wurde auf den freien Flächen wie Militärgeländen zum Abenteuer. „Alles war voller Matsch, meine Flip Flops komplett unter Wasser“, erzählt Rösel, der Nachts auf der Massagebank schlief – umgeben von Wasser. Auch den Autos machte der Matsch auf der Strecke zu schaffen, innen wie außen: „Teilweise war die ganze Elektronik voll mit Matsch. Das war Wahnsinn, was die Mechaniker da geleistet haben.“ Bei dem vielen Wasser wurden selbst Sandstürme in Uyuni und Schnee in den Anden zur Nebensache, die zum ständigen Wechsel der Klimazonen gehörten. 72 Grad in der Sonne (45 Grad im Schatten) sorgten dagegen für Unterhaltung, konnte man sein Spiegelei doch direkt auf dem Dach des LKWs braten. Grenzwertig waren die Temperaturen allerdings für die Fahrer, deren neunte Etappe wegen der großen Hitze in den Dünen von Fiambala (Argentinien) abgebrochen werden musste.

 

Der Tagesablauf wiederholte sich in diesen Tagen für Rösel oft: Um Mitternacht ins Bett, um vier wieder raus, Getränke und Essen für die Fahrer vorbereiten. Sobald die Autos gestartet waren, machte sich auch Rösel im Camper auf den Weg. An seiner Seite immer die Ehefrau von X-raid-Pilot Mikko Hirvonen – sie als Fahrerin, Rösel schlafend, um die Zeit bestmöglich zu nutzen. Vor Ort mussten dann die Zelte aufgebaut werden, die Küche, das Therapiezelt. Im Team lief alles gut, die Abstimmung passte. Wenn die Nebentätigkeiten erledigt waren, folgte Rösels Hauptaufgabe als Physiotherapeut: Verspannungen der Fahrer im Schulter-, Nacken- und Rückenbereich nach rund sechs Stunden Fahrt beheben, Tapes anlegen, Schleudertraumata osteopathisch behandeln. Aber auch Mechaniker standen auf der Patientenliste, mit dicken Daumen und Knöcheln, verspannten Rückenmuskeln.

 

Und kaum war das Thema Wasser und Hitze überwunden, folgten schon neue Herausforderungen: Die Höhe in Bolivien, in Uyuni immerhin 4.600 Meter, machte Rösel und seinen Kollegen zu schaffen, Sauerstoffmasken halfen nur bedingt gegen Kurzatmigkeit undKopfschmerzen – obwohl die Maske nachts dauerhaft aufgesetzt blieb. „Das hätte ich nie gedacht, dass ich so Probleme bekomme“, gibt Rösel zu, „es war immer arbeiten am Limit, egal ob durch die Höheoder die Müdigkeit. Du musst immer konzentriert sein, es darf kein Fehler passieren und es muss schnell gehen.“ Für Abwechslung sorgen die Menschen vor Ort: „Sie haben mich am meistenbeeindruckt. Keiner hat was zu Essen, aber sie würden trotzdem ihr letztes Hemd geben. Sie haben immer ein Lächeln im Gesicht, das von Herzen kommt. Sie freuen sich einfach, dass du da bist, alle wünschen dir viel Glück, sind immer höflich. Das war unbegreiflich“, erzählt Rösel, der selbst als Betreuer oft für Fotos parat stehen musste. „Am Anfang war das noch schön, du bist dir vorgekommen wie ein Rockstar. Aber man ist dann doch froh, dass man nicht prominent ist“, schmunzelt der Physiotherapeut. Kaum eine Überfahrt zur nächsten Etappe, die nicht von frenetischen Menschen an der Streckebegleitet wurde – auch ohne Fahrer und Autos.

 

AmEnde wurde Vorjahresssieger Nasser Al-Attiyah Zweiter hinter Peugeot-Pilot Stephane Peterhansel, hinzu kamen drei weitere X-raid-Fahrer unter den Top Ten. Für Rösel ein zufriedenstellendes Ergebnis: „Jeder nimmt so ein Event unterschiedlich wahr. Ich freue mich, dass alle gesund sind, dass vier Fahrer unter den ersten zehn sind. Ich war super stolz.“ Auch wenn die Siegerehrung und die folgende Gala eher kurz ausfielen: „Man freut sich eigentlich darauf, aber alle waren fix und fertig.“ Was bleibt als Fazit? „Es ging so schnell vorbei und da sind so viele Eindrücke. Wenn man wieder daheim ist, ist da erst einmal eine gewisse Leere – wie ein Zug, der an einem vorbeigerast ist“, beschreibt Rösel das Gefühl danach. Wieder machen – da ist sich der Reichelsheim mit ein bisschen Abstand inzwischen sicher – würde er es aber jederzeit wieder.

 

Odenwälder Echo / 02. Februar 2016

Susanne Müller - freischrift/fotografie - Hochzeitsfotografie in Neu-Isenburg

Hallo, ich bin Susanne, seit 33 Jahren eine lebensfrohe Optimistin, spontan, oft ein wenig zu genau

und schwer verliebt in meinen Job als Fotografin, Journalistin und Texterin in der Nähe von Frankfurt am Main. Ich liebe Kaffee und meinen Hund Sammy, den Duft von frisch gemähtem Gras, schöne Cafés und sonnige Biergärten. Ich reise gerne und viel, mal kurz, mal lang, mal tageweise. Und ich kann mich sehr für Philosophie, Weiterbildung, Fitness und Rockmusik begeistern...

 

Nach meinem Abitur 2003 habe ich mein Magisterstudium (Germanistik/Anglistik) in Heidelberg und Frankfurt absolviert, im Anschluss daran ein Fernstudium an der "Freien Journalistenschule" in Berlin. Seit 2011 arbeite ich als selbstständige Journalistin und Texterin, seit 2013 auch
als Fotografin in den Bereichen Businessfotografie, Hochzeit und Portrait.