Buchinger-Heilfasten - Mein Tagebuch zum Selbstversuch

Um das Fasten ranken sich viele Mythen, von gesundheitsschädlich bis extrem gesund ist alles dabei. Schon seit Jahren streiten sich Experten über die Wirkung des Nahrungsentzugs, den es inzwischen in zahlreichen verschiedenen Varianten gibt. Auch in der Bevölkerung scheiden sich die Geister an der Fasten-Methode - entweder man liebt es oder man hasst es. Bücher zu dem Thema gibt es zwar jede Menge, aber letzlich bringt jedes angelesene Wissen nichts, wenn man es nicht einmal selbst versucht hat. Deshalb werde ich hier in den nächsten Tagen meine Fastenzeit nach der Buchinger-Methode in einer Art Tagebuch kommentieren. Und los geht's mit dem...

 

Entlastungstag: Heute bekommt der Körper noch einmal etwas zu essen, allerdings nur leicht verdauliches und in kleinen Mengen. Morgens starte ich mit einem Müsli, was zugegebenermaßen etwas ungewöhnlich für mich ist. Das Mittagessen ersetze ich durch Arbeit (nicht gut, aber leider eine schlechte Angewohnheit) und am Nachmittag steht einkaufen auf dem Plan: Tees, Frucht- und Gemüsesäfte, Gemüse für die Brühen und Buttermilch, mehr gibt's die nächsten fünf Tage nicht. Außer am ersten Tag, da wartet auch noch das Glaubersalz (Abführmittel) auf mich... Nach dem Einkauf geht es in die Küche zum Kochen. Gemüse-, Möhren- und Tomatenbrühe stehen auf meinem Speiseplan. Als ich endlich fertig bin, wartet dann auch das ausgefallene Mittagessen auf mich: Pellkartoffeln und Gemüse. Nichts ungewöhnliches bei meiner generell sehr gesunden Ernährung. Gewöhnungsbedürftig wird es erst gegen 20 Uhr noch einmal, als mein Magerjogurt mit Leinsamen und Knäckebrot auf mich wartet - lecker!

 

Gesundheitlich lässt sich an diesem Tag noch nicht viel feststellen, immerhin gibt es noch feste Nahrung. Ein leichtes Schwächegefühl hat sich aber bereits eingestellt (Placeboeffekt!?) und ca. ab fünf Uhr starten die Kopfschmerzen, die sich bis um zehn derart verschlimmert haben, dass ich entgegen meiner Planung doch zur Tablette greifen muss. In Kombination mit Schlaf sind die Schmerzen schließlich überwunden.

 

1. Fastentag: Kopfschmerzen! Sie waren in der Nacht tatsächlich weg, doch kaum bin ich wach, sind auch sie wieder da. Nur schwach, aber trotzdem konsequent und lästig bis Abends um sieben.

 

Nun gut, der Tag startet mit einem 3/4 Liter Glaubersalz-Mischung - auch wieder eine sehr leckere Erfahrung. Mittags gibt es je ein Glas Apfel- und ein Glas Karottensaft 1:1 mit Wasser verdünnt. Und natürlich Tee und Wasser soviel ich will - und ich will viel, die zwei bis drei empfohlenen Liter der Trinkmenge habe ich locker schon bis Nachmittags erreicht. Am Ende des Tages werden es ohne Probleme fünf Liter sein. Gesundheitlich erfülle ich dagegen alle Fasten-Klischees: Mir ist kalt, ich sehe schlechter, bin unglaublich müde, fühle mich schlapp und zittrig, habe leichte Kreislaufprobleme und natürlich Kopfschmerzen. Vor allem aber schaltet sich mein Kopf ab, man fühlt sich ein wenig wie in Zeitlupe. Aufnahmefähigkeit, Denkvermögen, alles etwas verlangsamt. Für all das gibt es aber plausible Gründe und es ist eher ungewöhnlich, wenn diese Probleme in den ersten beiden Tagen nicht auftauchen. Davon abgesehen, fühle ich mich aber nicht schlecht, nur ein wenig unwohl - gut zu vergleichen mit einem Kater nach einer ausgelassenen Partie am Vorabend. Auf der Gegenseite zeigen sich aber auch bereits erste Verbesserungen: Mein Geruchssinn hat sich jetzt schon verändert, ist feiner geworden. Das hat allerdings auch wieder Vor- und Nachteile...

 

Trotz der Beschwerden arbeite ich ein wenig, verbringe aber mehr Zeit auf der Couch als sonst und mache sogar meine empfohlene Fastenwanderung - allerdings nur einmal quer durch den Ort zum einkaufen... Generell übernehme ich auch nicht alle "Fasten-Regeln", die in meinen Büchern empfohlen werden: Die Haut einölen und abbürsten, Leberwickel, Morgengymnastik und Mittagsruhe gehen mir doch ein bisschen zu weit.

 

Abends gibt es schließlich meine heiß ersehnte Gemüsebrühe (riechen kann ich sie schon seit dem Kochen nicht mehr), die allerdings ganz gut schmeckt und wärmt. Zweck erfüllt! Am Ende des Tages bleibt festzuhalten, dass ich mich erstaunlich gut fühle und nur einmal ein kleines Hungergefühl aufgetreten ist, dem ich mit einem halben Glas Buttermilch Abhilfe geschaffen habe. Wenn schon der erste "Problemtag" so gut läuft, freue ich mich auf den Rest der Woche...

 

2. Fastentag: Eigentlich alles bestens! Ich kann arbeiten, gehe sogar ins Fitnessstudio (mit einem etwas reduzierten Programm) und die Kopfschmerzen sind vollkommen weg. Dafür melden sich gegen Abend kurz leichte Magenschmerzen, die aber nach einer heißen Möhrenbrühe wieder verschwinden. Mein Kopf ist immer noch ein wenig langsam, das Denken dauert länger und ich habe einen Geschmack im Mund, als wäre ich erkältet. Auch die Müdigkeit und das Frösteln sind geblieben, stören mich aber nicht weiter. Durch die vielen Zitronenstücke (wirken basisch) sind meine Lippen zudem ein wenig gereizt.

 

Ernährungstechnisch hat sich nicht viel geändert, nur morgens kommt noch ein Glas Sauerkrautsaft (uuuhhhhhh....) dazu. Mittags warten wieder Apfel- und Karottensaft, zwischendurch Tee und Wasser - zwischen vier und fünf Liter sind es auch heute wieder. Trotzdem macht sich öfter als am ersten Tag ein Hungergefühl breit, gegen das erneut Wasser und Buttermilch helfen. Auch das ist auszuhalten.

 

Insgesamt geht es mir erstaunlich gut und die Veränderungen auf der Waage sind ein netter Nebeneffekt - jetzt müssen nur noch die Gedanken an feste Nahrung aufhören, womit ich für morgen rechne...

 

3. Fastentag: Weit gefehlt - die Gedanken an feste Nahrung halten sich auch heute hartnäckig. Zudem ist das Hungergefühl zeitweise recht penetrant und das ständige Frieren nervt. Zum Glück sind das tatsächlich die einzigen "Wehwehchen", wenn man von der Müdig- und Kraftlosigkeit absieht. Aber solche Tage gibt es ja oft genug auch TROTZ fester Nahrung. Zum Glück habe ich heute gelesen, dass Hunger bei Fastenanfängern in den ersten drei bis vier Tagen ganz normal ist, ich liege also in der Norm.

 

Der Tag beginnt mit der verrückten Idee, nochmal eine Glaubersalz-Aktion durchzuführen - was aber definitiv die letzte war. Der Geschmack ist einfach nicht zu ertragen. Sauerkraut- und Apfelsaft runden den Mittag ab, wie immer schaffe ich mit Tee und Wasser (wovon ich inzwischen deutlich mehr Tee konsumiere, um mich aufzuwärmen) auch brav meine vier bis fünf Liter Flüssigkeit. Für echte Geschmacks-Highlights sorgen inzwischen Buttermilch und Honig - man kann sich fast so sehr darauf freuen, wie auf einen Kaffee...

 

Auf dem Plan für das Abendessen steht heute Tomatenbrühe, definitiv die beste meiner drei produzierten Varianten. Danach lassen auch endlich die Kältegefühle nach. Ich bin bin gespannt, ob mich morgen auch das "Fastenhoch" ereilt, bei dem man geradezu ekstatische Gefühlsschwankungen und immens kreative Phasen durchlaufen  soll...  

 

4. Fastentag: Naja, ich bin weder depressiv, noch besonders kreativ oder ekstatisch veranlagt - die seelischen Nebenwirkungen des Fastens gehen also spurlos an mir vorbei. Dafür geht inzwischen aber auch das Hungergefühl nahezu spurlos an mir vorbei und ich kann mir ohne große Gefühlsregungen Einkaufprospekte anschauen. Bis auf die Tatsache, dass ich mit einem zweistündigen Spaziergang  mit meinem Hund endlich auch mal die "Fastenwanderung" erledige, bleibt heute alles beim alten: Vier bis fünf Liter Flüssigkeit, Gemüsebrühe nervt langsam und Honig ist toll!

 

5. Fastentag: Heute kann ich meine Leistungs- und Leidensfähigeit testen: Nach einem zweistündigen Besuch im Fitnessstudio muss ich für den "kicker" zur Zweitligabegegnung FSV Frankfurt - 1860 München. Kalter Wind, Würstchenbuden und ein üppiges Buffet im VIP-Zelt können mir heute aber nichts anhaben - ein klarer "Fastensieg". Und zuhause warten immerhin mal wieder jede Menge Tee, Brühe und eine Wärmflasche auf mich...

 

Aufbautage: Geschafft! Ich habe es tatsächlich fünf Tage ohne feste Nahrung ausgehalten - und trotzdem reagiere ich nicht einmal euphorisch auf das "Fastenbrechen", das mit einem Apfel begangen wird - eine Pizza wäre mir auch lieber gewesen... Ansonsten werde ich mich in den nächsten Tag fast ausschließlich mit Ballaststoffen befassen: Trockenpflaumen, Kartoffeln, Quark, Knäckebrot und Jogurt stehen unter anderem auf meinem Speiseplan. Zum einen, um dem Jojo-Effekt vorzubeugen, zum anderen, um den Magen ganz langsam wieder an seine ursprüngliche Leistung heranzuführen. Was ich schon am zweiten Aufbautag bemerke: Der Kopf funktioniert wieder deutlich besser - Gott sei dank!

 

Fazit: Eine definititv interessante Erfahrung, vor allem für den eigenen Willen. Es ist faszinierend, wie gut sich der Körper selbst versorgen kann und stellt Nahrungsaufnahme in ein vollkommen neues Licht. Allerdings ist Fastenzeit (für mich) keine Zeit großer Lebensfreude, denn der ständige Verzicht beeinflusst genauso die Lebensqualität ins Negative, wie Essen sie ins Positive beeinflusst.

 

Ich kann heute nicht sagen, dass ich mich gesundheitlich anders fühle als noch eine Woche zuvor (die drei Kilo weniger auf der Waage mal ausgenommen), aber ich würde es auf jeden Fall noch einmal wiederholen, wenn ich älter bin und mich auch auf das "seelische Fasten" (Urlaub, ruhen, spazieren gehen) einlassen kann. Eine Sache habe ich jedoch gelernt: Langsam essen ist definitiv gesünder.

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Kommentare: 1
  • #1

    Gerd Schauer (Dienstag, 13 März 2012 18:14)

    Hallo Susanne, mein Fasten vor ein paar Jahren verlief gleich - nicht besser oder schlechter als bei Dir.
    Allerdings stellte sich bei mir das Hochgefühl nach ein paar Tagen ein,wahrscheinlich eine Folge des Verzichts auf jegliche Kalorienzufuhr (ich nahm nur Wasser, Kaffe oder Tee zu mir).
    Ich rate jedem, ders probieren will, sich vom Arzt seines Vertrauens gründlich Untersuchen zu lassen. Man ist manchmal kranker als man denkt.

    Liebe Grüsse - der Gerd

Hallo, ich bin Susanne, seit 33 Jahren eine lebensfrohe Optimistin, spontan, oft ein wenig zu genau

und schwer verliebt in meinen Job als Fotografin, Journalistin und Texterin in der Nähe von Frankfurt am Main. Ich liebe Kaffee und meinen Hund Sammy, den Duft von frisch gemähtem Gras, schöne Cafés und sonnige Biergärten. Ich reise gerne und viel, mal kurz, mal lang, mal tageweise. Und ich kann mich sehr für Philosophie, Weiterbildung, Fitness und Rockmusik begeistern...

 

Nach meinem Abitur 2003 habe ich mein Magisterstudium (Germanistik/Anglistik) in Heidelberg und Frankfurt absolviert, im Anschluss daran ein Fernstudium an der "Freien Journalistenschule" in Berlin. Seit 2011 arbeite ich als selbstständige Journalistin und Texterin, seit 2013 auch als autodidaktische Fotografin in den Bereichen Hochzeitsfotografie, Business und Portrait.

 

Susanne Müller
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