Online versus Offline - Warum Zeitungen nicht aussterben werden

Da ist sie wieder, die Vorfreude: Morgens beim Bäcker fragt die nette Verkäuferin, ob es noch etwas sein darf und man antwortet „Eine Zeitung, bitte!“. Wer kennt es nicht, dieses Geräusch der knisternden Zeitung, die bei jeder umgeblätterten Seite ein so vertrautes Rascheln verlauten lässt. Ist ein interessanter Artikel dabei, kann man ihn zweimal lesen oder ausschneiden, man kann die Zeitung mitnehmen in die Bahn oder an den Strand – und man hat immer etwas „zum Anfassen“.

 

Ganz genauso verhält es sich mit Büchern: Auch sie muss man berühren, man muss die Seiten riechen, fühlen, umblättern und das Buch danach wie eine Trophäe ins Regal stellen können – nur um es zwei Wochen später erneut zu lesen. Kurz gesagt: Der emotionale Faktor ist bei Büchern und Zeitungen viel höher als bei elektronischen Lesegeräten.

 

Auf Bildschirme starren wir den ganzen Tag: PC, Laptop, Smartphone, Fernseher, E-Book und Co. begleiten uns tagtäglich durchs Leben und machen eben jenes auf eine gewisse Art und Weise vergänglich. Einmal gesehen oder gelesen, verschwinden viele Texte und Bilder im Niemandsland – sie sind genauso vergänglich wie der Tag, an dem sie gelesen wurden. Nicht aber Printmedien! Diese erinnern uns auch noch in zwei Wochen an die Schlagzeilen von gestern, sorgen für Erinnerungen und manchmal auch für besondere Momente. Welche Internetseite könnte wohl ein ähnlich wohliges Gefühl in uns wachrufen, wie dieses, wenn wir den alten vergilbten Zeitungsartikel über unseren damaligen Schulauftritt hervorkramen? Oder das zerknitterte, mit „Eselsohren“ übersäte Buch, das wir damals in der fünften Klasse gelesen haben?

 

Kritisiert wird oft, die Zeitung sei nicht aktuell genug. Wer nur einmal täglich erscheint, kann unmöglich immer die aktuellsten Nachrichten verbreiten. Das ist allerdings auch nicht der Anspruch einer Zeitung - sie steht vielmehr für Information, für Hintergrundwissen und das Erklären von Zusammenhängen. Für schnelle und aktuelle Informationen sind das Radio oder das Internet folglich der wichtigste Anlaufpunkt, für ausführliche Hintergrundberichte gibt es das Fernsehen und die Zeitung. Beim Fernsehen ist die Informationsaufnahme jedoch fremdbestimmt: Ein einmal gesehenes Bild, ein einmal gesprochener Satz, verschwinden auch unabhängig davon, ob wir ihn gesehen oder verstanden haben. Nicht so die Zeitung, die man so oft anschauen, nachlesen oder zur Seite legen kann, wie man will.

 

Die Nutzer der Printmedien gehären zwar nach wie vor öfter zur „älteren“ Generation, jedoch nicht mehr so drastisch, wie noch vor ein paar Jahren. Seit 2010 ist der gesamte Zeitschriftenkonsum um 0,7 Prozent gestiegen, bei den 14 - 29-Jährigen gar um 1,1 Prozent. Ein erfolgreiches Ergebnis! Vor allem deshalb, da diese Altersgruppe in den vergangenen Jahren immer wieder Rückgänge verzeichnen musste (Quelle: AWA 2010/2011).

 

In Sachen Qualität liegt die Zeitung klar vor dem Internet: Während in Printmedien nur sichere Informationen verarbeitet werden, kann sich im Internet jeder zu Wort melden – ob richtig oder falsch. Die Gestaltung lässt zwar bei beiden Medien viel Spielraum, den eingeschränkteren allerdings (wer hätte das gedacht?) hat der Online-Bereich. Auf Grund der Bandbreite wird eine Internetseite meist vom Text beherrscht, ein Foto findet sich nur ganz am Anfang als sogenannter „Appetitanreger“. Printmedien können ihre Artikel dagegen frei gestalten, mit Fotos, Servicekästen und visuellen Anregungen arbeiten. Beim Umfang ist das Internet dagegen klar führend ist. Eine Zeitung ist nun einmal nach einer gewissen Anzahl an Seiten zu Ende.

 

Zuviel des Guten kann aber auch kontraproduktiv sein: So fühlen sich viele Menschen von der überbordenden Menge der Informationen im Internet erdrückt. Sie klicken immer wieder Link um Link, um scheinbar interessante Artikel zu lesen, entfernen sich von ihrem Ausgangsthema aber immer mehr. Printmedien geben dem Leser dagegen das Gefühl einer abgeschlossenen Handlung und leisten damit viel für die persönliche Zufriedenheit. Die Kommunikation mit dem Leser ist im Internet jedoch klar besser: Direkte Antwort- und Kommentar-Buttons ermöglichen den sofortigen Austausch – bei der Zeitung geht das maximal durch Leserbriefe und Service-Hotlines.

 

Für den schnellen "Aktualitäts-Happen" zwischendurch und unterwegs ist das Internet also eine gute Entscheidung - für Leser, die nach Hintergrundwissen streben, bleibt die Zeitung der zuverlässigste Vermittler. Sie selbst wird meist am Morgen konsumiert, während das Fernsehen am Abend wichtiger ist. Das Radio beherrscht die Zeit im Auto, Nachrichtenmedien fordern die Aufmerksamkeit bei der Arbeit und Smartphones kommen meist unterwegs zum Einsatz.

 

Man muss also davon ausgehen, dass das Internet trotz des abgeflauten Booms auch in den kommenden Jahren seinen medialen Vorsprung weiter ausbauen wird. Man kann aber ebenso davon ausgehen, dass der Print-Bereich deshalb nicht auf der Strecke bleibt. Denn dieses „etwas anfassen“-Gefühl wird den Leser auch in dreißig Jahren noch begeistern. Und somit ist die Zeitung bzw. das Buch in einer Welt voller Vergängnis eines der letzten Dinge mit Bestand.

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Susanne Müller - freischrift/fotografie - Hochzeitsfotografie in Neu-Isenburg

Hallo, ich bin Susanne, seit 33 Jahren eine lebensfrohe Optimistin, spontan, oft ein wenig zu genau

und schwer verliebt in meinen Job als Fotografin, Journalistin und Texterin in der Nähe von Frankfurt am Main. Ich liebe Kaffee und meinen Hund Sammy, den Duft von frisch gemähtem Gras, schöne Cafés und sonnige Biergärten. Ich reise gerne und viel, mal kurz, mal lang, mal tageweise. Und ich kann mich sehr für Philosophie, Weiterbildung, Fitness und Rockmusik begeistern...

 

Nach meinem Abitur 2003 habe ich mein Magisterstudium (Germanistik/Anglistik) in Heidelberg und Frankfurt absolviert, im Anschluss daran ein Fernstudium an der "Freien Journalistenschule" in Berlin. Seit 2011 arbeite ich als selbstständige Journalistin und Texterin, seit 2013 auch
als Fotografin in den Bereichen Businessfotografie, Hochzeit und Portrait.

 

Susanne Müller
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